
FÜLLE
DES LEBENS

Das
geliebte Wesen, das uns der Tod entriss, verlöschte nicht.
Es
trat in eine andere Dimension, die seinen moralischen und
geistigen Errungenschaften entspricht.
Der
Tod ist in Wirklichkeit das Tor, das sich öffnet und in das
volle Leben führt, wo sich unzerstörbar die unvergleichlichen
Schätze der Ewigkeit befinden.
Gleich
nach dem physischen Tod erwartet einen weder die Konfrontation
mit dominanten Dämonen einer mythischen Hölle, noch die
Begegnung mit jubelnden Cherubim, die den Geist in die Himmel
führen.
Hingegen
sieht man sich mit seinem Gewissen konfrontiert, das zur Analyse
des gelebten Verhaltens erwacht und dieses mit dem vergleicht,
das hätte erwartet werden
k önnen.
Die ersten Tage nach dem Heimgang verbringt der Geist üblicherweise
schlafend. Wenn er erwacht, tritt er in die Wirklichkeit, in der
er von diesem Augenblick an leben wird.
Keine
zwei Wesen erleben Tod und Wiedergewinnung des Bewusstseins auf
die gleiche Weise. Jedes ist ein persönliches Universum, das
sich von den übrigen unterscheidet und nach seinen eigenen Gefühlen
und Anliegen lebt, die seiner geistigen Entwicklung entsprechen.
So erwacht jedes im Jenseits dementsprechend, wie es unter der
Anästhesie des Todes entschlief.
Wer
seine irdische Existenz in eine segensreiche Lehre verwandelte,
wird die gereiften Früchte der Freude und nachhaltigen
Erneuerung zum Guten ernten. Wer hingegen das physische Übungsfeld
für sinnliche Vergnügungen oder übles und verwirrendes Tun
missbrauchte, wird die übrig gebliebenen Disteln sammeln, die
ihn zum Nachdenken einladen.
Niemand
hat das Recht, eine Glückseligkeit zu geniessen, die er nicht
zuvor erbaut hat. Gleicherweise wird man nur die Leiden
erdulden müssen, die einem zustehen. Im ganzen All herrscht
die souveräne göttliche Gerechtigkeit.
Die
Erde ist ein gesegnetes Internat, wo die Geister die unschätzbaren
Werte des Evolutionsprozesses entfalten.
Jede
Erfahrung ist eine bezeichnende Lektion, die das Innere prägt
und Ziele für Eroberungen setzt.
Dies
ist so, damit in allem jede Anstrengung zugunsten der Selbst-Klärung
und der Solidarisierung mit dem Nächsten unternommen werde, auf
dass das menschliche Dasein sich in ein schönes Feld edler
Verwirklichungen verwandle.
Rasch
vergeht das physische Leben und f ührt den Geist samt seiner
Sammlungen positiver und negativer Schätze, zurück in die
grosse Heimat, von wo er einst aufgebrochen war.
Diese
sind es die nach dem organischen Tod f ür die Wirklichkeit
bestimmend sein werden.
Derart
führt die zeitliche Reise durch den physischen Körper
unvermeidlich durch den Tod zum Überleben.
Es
ist natürlich, dass du an der Sehnsucht nach dem geliebten
Wesen leidest, das die Erde für die Unsterblichkeit verloren
hat.
Verzweifle
deshalb nicht ob der Trauer, dass du dich des Zusammenseins mit
ihm, seiner Liebe, seiner gesegneten Gegenwart nicht mehr erfreuen
kannst.
Anstatt
dich von der Verzweiflung übermannen zu lassen, beruhige dich und
hülle das geliebte sen Wes ein glückliche Erinnerung ein.
Schicke ihm erbauliche
Gedanken
und tröstende Gebete nach.
Es wird deine
Schwingungen
des Friedens und der Liebe empfangen und gest ärkt die Reise
antreten. Ängste vor der Reise und allfällige Schmerzen werden
abnehmen.
Sobald
es ihm m öglich ist wird es zurückkehren, dich besuchen und dich
mit zärtlicher Dankbarkeit umhüllen.
Alles
in der Natur stirbt zur Auferstehung und zur Verwandlung.
Warum
sollte nur das Menschenwesen verschwinden?
Wenn
du es nicht mehr siehst, bedeutet dies nicht, dass es sich aufgel öst
hat. Bedenke, dass das meiste, was ist und an das du g1aubst, für
deine Augen unsichtbar, vieles davon jedoch für besondere Instrumente wahrnehmbare Realität ist.
Dasselbe
geschieht mit den sog. Toten, die von medialen Werkzeugen gesehen,
gehört und manifest gefühlt werden.
Auch
wenn du nicht mit einer entsprechenden Wahrnehmungsf ähigkeit
begabt bist, besitzest du dennoch eine Empfindungskraft, die dir
erlaubt, Gedanken und Gefühle zu empfangen.
Wenn
du dich in Liebe mit dem Dahingegangenen verbinde möchtest,
verinnerliche dich in Stille, so wirst du ihn wahrnehmen. Derart
linderst du beider Kummer und Schmerz, mit der Salbe der Freude in der Hoffnung auf
eine Wiederbegegnung.
Dank
der durch Jesu aufgewerteten Medialität ist es heute möglich in
unmittelbarem Kontakt mit dem zu bleiben, der dir vorausgegangen
ist.
Indessen
ist zu prüfen, unter welchen moralischen, emotionalen und
spirituellen Bedingungen ein Wesen steht, damit sich eine
Verbindung reich und segensvoll, wirklich und anregend für den künftigen
Fortschritt gestalte.
Da
dem so ist, verwandelt der Tod nicht den, den er ereilt. Jeder
reist in Gesellschaft jener, mit denen er w ährend des physischen
Lebens als Glaubender verbunden war.
Umhüllt
dich der Schleier der Trauer noch in Bange und Schmerz, löse ihn
mit subtilen Schwingungen des Gebetes und mit erhabenen Gedanken
auf, die dir die Liebe eingibt. Es wird dir so Gewissheit, dass du
bald, wenn deine Reise zu Ende ist, dem begegnen wirst den du
jetzt beweinst.
Inzwischen
lebe so, dass du, wenn du von den fleischlichen Bindungen frei
wirst zur Klarheit findest und dich der liebenden Zustimmung dessen
erfreuen kannst, der dich zum Herzens- und Seelenfest erwarten
wird.
Unzählige
Male sprach der Freund der Verlassenen von der Unsterblichkeit und
vom Himmelreich, das jene, die auf ihn hören, anregt, sich der
Leidenschaften und schlechten Neigungen zu enthalten, die einen in
versklavende Netze verwickeln.
Jesus
lehrte, dass er kam, um allen das Leben in
Fülle
zu erschliessen. Dann kündigte er seinen eigenen Tod an, um
darauf die Herrlichkeit des erhabenen Lebens zu bezeugen. Und
als er eingeladen wurde, höchstes Zeugnis zu geben, ertrug er
eine grausam quälende Geisselung und gab sein Leben hin für
die, die er liebte.
Doch er erstand leuchtend und triumphierend
aus dem Grabe und bestätigte seine Worte, die den Beginn eines
neuen Zeitalters immerwährender Glückseligkeit ankün-digten.
Vergiss
deshalb nicht, dass du um auferstehen zu k önnen, erst sterben
musst.
Joanna de Ângelis (Geistwesen)
Durchgegeben
an Divaldo Franco
am
31.Mai 2004 (Pfingsten) in Zürich
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